 | Der Hochzeitsturm, das weithin sichtbare Wahrzeichen Darmstadts, wurde anlässlich der von Mai bis Oktober 1908 auf der Mathildenhöhe veranstalteten „Hessische Landesausstellung für freie und angewandte Kunst“ eingeweiht. Dieses symbolische Geschenk der Bürgerschaft an ihren Großherzog, der 1905 geheiratet hatte, gehört zu den letzten Bauprojekten des im August 1908 verstorbenen Joseph Maria Olbrich. Der Hochzeitsturm drückte Darmstadt ein weiteres Mal den Stempel des Jugendstils auf, wenngleich seine expressive Form mit dem markanten fünffach gestuften Dach bereits weit über diese Kunstrichtung hinausweist und Architekturelemente der Zwanziger Jahre vorwegnimmt. Auch das auf dem höchsten Punkt der Mathildenhöhe errichtete städtische Ausstellungsgebäude ist mit seinen ungeschmückten kubischen Baukörpern ein Dokument des ausklingenden Jugendstils. Die Strenge und Monumentalität der Architektur wird jedoch aufgelockert durch vielfarbige, figurative und ornamentale Mosaikflächen, die darüber hinaus eine optische Verbindung schaffen zur benachbarten ehemaligen Privatkapelle des russischen Zarenpaares Nikolaus und Alexandra. Das davor gelegene Wasserbecken entstammt der letzten Bauphase der Mathildenhöhe. Albin Müller, dem die leitende Position innerhalb der Künstlerkolonie nach Olbrichs Tod zugefallen war, hatte das mit floralen Steinzeugfliesen ausgelegte Becken im Rahmen der Ausstellung des Jahres 1914 entworfen. Auch das später an den Fuß der Rosenhöhe versetzte, löwenbekrönte Eingangsportal und der keramische Gartenpavillon – seiner Schmuckmotive wegen „Schwanentempel“ genannt – sind Arbeiten Müllers. .
Am Vorabend des Ersten Weltkrieges setzte der Bildhauer Bernhard Hoetger auf der Mathildenhöhe noch einige gewichtige künstlerische Akzente. Hervorzuheben sind vor allem die symbolistischen Reliefs und Figurengruppen, die dem Platanenhain eine eigentümliche, fast sakrale Anmutung verleihen. Thema von Hoetgers Skulpturenprogramm ist der Kreislauf des Lebens, Werden und Vergehen im Zeichen des Wassers.. |