 |  Individuelle Künstlervillen inmitten eines idyllischen Parks, die Fassaden geschmückt mit neuartigen stilisierten Ornamenten, lichte farbenfrohe Wohnräume, formvollendete Gebrauchsgegenstände, die durch ihre Flächigkeit und Linearität auffielen. Die im Mai 1901 eröffnete Ausstellung der Künstlerkolonie bescherte Darmstadt einen einzigartigen Kunstfrühling, lockte Gäste aus dem In- und Ausland in die kleine Residenzstadt. Gezeigt wurde eine neue Kunst an der Schwelle eines neuen Jahrtausends, entsprungen einem neuen Lebensgefühl: dem Jugendstil.
Noch heute umfängt den Besucher der Mathildenhöhe eine eigentümliche künstlerische Atmosphäre. Noch immer ist in dieser Anlage etwas spürbar von der „Weihe-stätte“, die der Hügel um die Jahrhundertwende einmal war. Die Mathildenhöhe, Experimentierfeld der ehemaligen Künstlerkolonie, machte Darmstadt zu einer Akropolis des Jugendstils, einer Bewegung, die das Leben in ein Gesamtkunstwerk einzubetten versprach. Von Darmstadt gingen bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wichtige Impulse auf die moderne Architektur, auf Kunsthandwerk und Design aus.
Den kometengleichen Aufstieg zum neuen Kunstzentrum verdankt die Stadt ihrem letzten Großherzog. Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein hoffte, mit der Gründung einer Künstlerkolonie zugleich Kunst, Handwerk und Handel zu beleben und lud 1899 sieben Künstler nach Darmstadt ein, sich auf der Darmstädter Mathildenhöhe zum Wohnen, Werken und Lehren niederzulassen. Der spätere AEG-Designer Peter Behrens und der Otto Wagner-Schüler Joseph Maria Olbrich waren die prominentesten, dazu kamen die Maler und Kunstgewerbler Paul Bürck, Hans Christiansen und Patriz Huber sowie die Bildhauer Rudolf Bosselt und Ludwig Habich. In der Folgezeit wechselte die Besetzung der Künstlerkolonie allerdings mehrfach. |